Guerilla Marketing - viel mehr als unkonventionelle Marketingmaßnahmen

Die meisten Leute denken bei Guerilla Marketing an ungewöhnliche Vermarktungsaktionen, die mit geringem Mitteleinsatz möglichst viel Aufmerksamkeit erregen. Sie sollen die Betrachter schockieren, überraschen oder zum Lachen bringen. Aber Guerilla Marketing ist viel mehr als nur ein Begriff, der das beschreibt. Guerilla Marketing ist ein eigenes Mindset, das eingefleischte Guerillas tagtäglich leben

Was bedeutet Guerilla 

Bevor wir in die Welt des Guerilla Marketings eintauchen können, müssen wir verstehen, was es mit dem Begriff „Guerilla“ auf sich hat.  

Das Wort „Guerilla“ stammt aus dem Spanischen und bedeutet übersetzt „Kleinkrieg“. Es beschreibt eine Form der Kriegsführung, bei der es um den Einsatz von unkonventionellen Taktiken geht, um den Kontrahenten gezielt zu schwächen.  

Den Militärbegriff hat Unternehmensberater Jay Conrad Levinson in den 80er Jahren in Bezug zum Marketing gesetzt und das Guerilla Marketing etabliert. Wie die Guerilla-Kämpfer in den Kriegszeiten sollen Marketer konventionelle Ziele, bspw. allgemeine Bekanntheit, ohne milliardenschwere Budgets erreichen – nämlich durch unkonventionelle Mittel 

 

Was Guerillas unter Marketing verstehen 

Viele Leute verbinden das Guerilla Marketing mit den ungewöhnlichen Aktionen, die sie im Internet gesehen oder selbst einmal erlebt haben. Das erweckt den Anschein, dass sich Guerillas lediglich mit Werbung beschäftigen. Somit wäre der Begriff „Guerilla Marketing“ irreführend, weil wir wissen, dass Marketing nicht nur Werbung umfasst.

Guerillas wissen ganz genau, dass Marketing nicht gleichbedeutend mit Werbung ist. Sie verstehen, dass das Marketing die wertvolle Verbindung zwischen dem Unternehmen und der Kundschaft ist. Das Guerilla Marketing beschäftigt sich mit der ganzheitlichen Erfahrung, die das Unternehmen ihreKundschaft bietet. 

Marketing is every bit of contact your company has with anyone in the outside world. Every bit of contact. That means a lot of marketing opportunities. It does not mean investing a lot of money. - Jay Conrad Levinson

Jeder Kontakt mit dem Unternehmen soll ein Erlebnis darstellen. Dieses soll befriedigend, einfach und für die Kundschaft lohnenswert sein. Guerillas versuchen, ein scheinbar komplexes Thema zu vereinfachen und folgen einem einfachen Plan. Sie wissen, dass ihr Marketing in den seltensten Fällen sofort wirkt und haben die Geduld so lang an ihrem Plan festzuhalten.  

Für viele Leute ist Guerilla Marketing ein einmaliges Event und hört danach auf. Tatsächlich stellt es einen fortlaufenden Prozess dar, der für Guerillas nie ein Ende hat. Sie betrachten sich als Problemlöser und wollen das Leben der Leute besser und einfacher machen. 

Weil viele dem Marketing nicht ihren Glauben schenken, ist es für Guerillas wichtig, dass ihr Marketing nichts als die Wahrheit vermittelt. Diese gehört faszinierend dargestellt, und zwar immer. 

 

Was Guerillas nicht unter Marketing verstehen 

Marketing ist kein Show-Business. Unsere Aufgabe ist es nicht die Massen zu unterhalten. Das übernehmen andere. Wir sind dafür zuständig, die Bedürfnisse unserer Kundschaft zu erkennen und dann zu befriedigen 

Guerillas gehen einen Schritt weiter und sprechen davon, ihre Kundschaft mit positiven Kauferlebnissen zu beglücken. Dafür stehen ihnen unterschiedliche Marketingwaffen zur Verfügung – insgesamt 200 an der Zahl. Die weise Auswahl der Marketingwaffen machen das Marketing eines Guerillas aus.  

Broschüren, E-MailsSocial Media oder eine Website – das alles sind Marketingwaffen, die jede für sich ganz alleine noch kein Marketing ergeben. Für Guerillas besteht Marketing aus dem weisen Einsatz vieler von ihnen. Jede einzelne ist möglicherweise ein wichtiger Bestandteil in der Kette, weshalb die Kombination entscheidend ist.  

Die meisten Leute erinnern sich an solche Aktionen, wenn sie an Guerilla Marketing denken –  aber es steckt noch viel mehr dahinter

Was Guerillas auszeichnet: Sie experimentieren mit vielen der verfügbaren Marketingwaffen und finden die Kombination, die ihnen den höchsten Profit bietet. Dabei sind sie darauf bedacht nicht unbedingt teure, aber wirkungsvolle Kombinationen einzusetzen.  

 

Strategie im Guerilla Marketing 

Guerillas versuchen ihr Marketing so gut es geht zu vereinfachen. Sie halten sich an einen einfachen Plan und folgen diesem unerbittlich. Tatsächlich sind sie der Überzeugung, dass Marketing nicht kompliziert und schwer sein muss. Das lässt sich auch daran erkennen, wie Guerillas ihre Strategie entwerfen.  

Die Marketingstrategie eines Guerillas umfasst 7 Sätze. Mit diesen decken sie jene Bereiche ab, die für den Erfolg entscheidend sind. Es mag minimalistisch anmuten, aber Guerillas versuchen damit all jene Details zu berücksichtigen, die von den meisten Unternehmen übersehen werden. 

1. Physischer Zweck des Marketings 

Guerillas erklären in einem Satz, welche Handlung eine Person durchführen soll, nachdem sie ihrem Marketing ausgesetzt waren. Das können ein Klick auf einen bestimmten Link, das Wählen einer bestimmten Telefonnummer oder der Besuch einer Filiale sein. Ziel ist es, mit dieser Handlung alles in Schwung zu bringen.  

Marketing is not an event, but a process. It has a beginning, a middle, but never an end, for it is a process. You improve it, perfect it, change it, even pause it. But you never stop it completely. - Jay Conrad Levinson

2. Bester Wettbewerbsvorteil 

Damit Leute die gewünschte erste Handlung durchführen, müssen sie motiviert werden. Guerillas erreichen das durch die Kommunikation ihres besten Wettbewerbsvorteils. Diesen stellen sie ins Rampenlicht und helfen der Zielgruppe zu erkennen, welche Bedeutung er für sie hat.  

3. Zielmarkt 

Im dritten Satz definieren Guerillas ihren Zielmarkt. Dieser sollte so klein wie möglich sein, um ihn direkt ansprechen zu können. Oftmals definieren Guerillas mehrere Zielmärkte, um die sie sich bemühen. 

4. Marketingwaffen 

Wie bereits erklärt, gehört die Auswahl der richtigen Marketingwaffen zu den Aufgaben eines Guerillas. Hierbei formulieren sie streng genommen keinen Satz, sondern listen all jene Waffen auf, die sie einsetzen wollen. Dabei berücksichtigen sie den ersten Satz ihrer Strategie und richten die Kombination nach der gewünschten ersten Handlung aus. 

5. Positionierung 

Wofür steht das Unternehmen? Qualität, Service, Innovation? Guerillas überlegen sich, welches Bild die Leute von ihrem Unternehmen haben sollen und richten ihre Positionierung dementsprechend aus. Sie sind dafür verantwortlich, dass das Marketing diese Positionierung ausstrahlt. 

6. Identität und Unternehmenspersönlichkeit 

Guerillas sprechen ganz bewusst von Identität und nicht von Image. Sie sind der Überzeugung, dass das Image eine Fassade ist, die irgendwann zu bröckeln beginnt. Viele Leute sind mit falschem Marketing in Berührung gekommen und stehen ihm deshalb kritisch gegenüber. 

Ehrlichkeit und Wahrheit der Unternehmenspersönlichkeit sind für Guerillas ganz wichtig. Sie zielen auf dauerhafte Beziehungen mit Geschäftspartner ab und wissen, dass nur eine ehrliche Identität dazu führt und sich auszahlt. 

7. Marketingbudget 

Das Budget definieren Guerillas als Prozentsatz vom geplanten Bruttoumsatz. Dabei geht es ihnen weniger um die Kosten ihres Marketings, sondern viel mehr um die Rendite. Guerillas senken ihre Marketingkosten in der Regel nicht – sie sorgen dafür, dass sie einen möglichst hohen Gewinn herausschlagen.  

 

Fazit zum Guerilla Marketing 

Ebenso außergewöhnlich wie die Vermarktungsaktionen, ist das Mindset des Guerillas Marketings. Um ein wahrer Guerilla zu werden, ist es notwendig, dieses Mindset tagtäglich zu leben. Dieses geht allerdings über das von mir Beschriebene deutlich hinaus und umfasst noch viele zusätzliche Einzelheiten.

Guerillas versuchen aus der Masse hervorzustechen und mit unkonventionellen Mitteln ihre Ziele zu erreichen

Beim Guerilla Marketing passiert vieles im Hintergrund. So kommt es leicht vor, dass manche Guerillas nicht als solche wahrgenommen werden. Was nach außen hin offensichtlich ist, sind die aufsehenerregenden Aktionen. Alle internen Vorgehensweisen sind für Außenstehende nicht sichtbar.  

Was noch dazu kommt: Keine Marketingabteilung dieser Welt nennt sich explizit “Guerilla-Marketingabteilung”. Es handelt sich hierbei tatsächlich um eine reine Denkweise und Überzeugung, die Guerillas vehement verfolgen.  

Das tun aus meiner Sicht die wenigsten, denn für viele Unternehmen sind Guerilla Marketing Aktionen einmalige Events, was dem Guerilla Mindset grundsätzlich widerspricht.  

Dennoch bedienen sich viele Marketer gerade für einmalige Maßnahmen an diesem Mindset. Daraus resultieren die bekannten unkonventionellen Marketingmaßnahmen und formen das allgemeingültige Bild des Guerillas Marketings.

 

 

Was ist deine Meinung zu diesem Marketingansatz? Hast du schon Erfahrungen mit Guerilla Marketing gemacht? Oder findest du der Ansatz zieht das Marketing ins lächerliche? 

Schreib es mir in die Kommentare – ich würde mich über einen Austausch und Dialog mit dir freuen! 

 

Inspiriert durch das Buch „Guerilla Marketing Bibel – Das Beste aus 30 Jahren Guerilla Marketing” von Jay Conrad Levinson

Teile den Beitrag mit der Welt da draußen!

Das könnte dich auch interessieren...

Innovation

Innovation im Wandel – was für uns Marketer wichtig ist

Netflix, Airbnb, Uber – das sind nur wenige Beispiele von Unternehmen, die mit innovativen Geschäftsmodellen ihre Märkte revolutioniert haben. Was früher das Erfinden von neuen Produkten war, ist heute das Entwickeln und Umsetzen von disruptiven Technologien und Innovationen. Zuvor gehören solche Innovationen allerdings kreiert – nur wie schaffen wir das?

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen